Meine Gedanken zu Instagram

Insta. Irgendwie eine Hassliebe für mich.
Einerseits eine gute Möglichkeit seine Bilder zu zeigen und sich inspirieren zu lassen. Andererseits so was von „falsch“, dass es (wenn man es mal kapiert hat) wenig Freude bereitet. Als „Landschaftsfotograf“ ist die Plattform zunächst eine schöne Sache und immer wieder erwische ich mich auf dem Sofa und denke mir: Geh doch endlich mehr raus – solche Fotos bekommst du doch auch hin. Der Motivationsaspekt ist deshalb nicht zu verachten und das Niveau der Bilder ist unglaublich hoch. Jetzt darf ich mich als Hobbyfotograf mit Vollzeitjob nicht mit den Berufsfotografen vergleichen. Mit 30 Urlaubstagen kann ich nun mal nicht dauernd in der Weltgeschichte herumreisen und schon gar nicht aus jedem Urlaub einen Foto-Urlaub machen. Wenn man es verbinden kann ist es schön – aber mir sind andere Dinge dann doch auch noch wichtiger. Aber ich lebe noch in der realen und nicht in der virtuellen Welt. Im Gegensatz zu vielen anderen Personen. Da wird das ganze Leben veröffentlicht. Jede erdenklich „coole“ Sache wird veröffentlicht. Offen nach dem Motto: Schaut wie toll mein Leben ist – eures auch? Die Plattform ist für viele eine Möglichkeit „groß und interessant“ zu sein. Sie holen sich im virtuellen Web die Anerkennung, die ihnen im realen Leben fehlt. Ich freue mich natürlich auch über jeden „Like“ bei meinen Fotos. Wenn ich merke, dass es Leuten gefällt was ich da ablichte, dann hat es sich gelohnt. Aber deshalb mein ganzes Leben offen zu zeigen? Als Mitte 30er kenn ich die Welt noch ohne SocialMedia – ich kann Gott sei Dank noch unterscheiden. Anfang letzten Jahres hab ich mich registriert und meine ersten Fotos veröffentlicht. Ja. Die waren nicht die Besten. Aber jetzt auch nicht ganz so arg schlecht. Hab mich aber sehr gewundert, warum ich so wenig Resonanz bekomme… Nach ein paar Unterhaltungen mit anderen Fotografen und Recherche im Internet war mir klar: Ganz viele Faktoren spielen dabei eine Rolle. Nicht das Bild. Sondern die Vernetzung mit anderen Followern. D.h. habe ich viel Kontakt zu den anderen Followern (z.B. durch Likes die ich vergebe und vor allem durch Kommentare die ich verteile), dann erkennt das der Algorithmus im Hintergrund und ich erscheine bei den „Anderen“ weiter oben.

Hashtags spielen sicherlich auch eine Rolle. Aber einfach gesagt: Je mehr ich mich auf Instagram aufhalte und meine Zeit dort verbringe, desto mehr sieht das Insta und „pusht“ meine Fotos. Mehr Leute werden auf mich aufmerksam, ich erhalte mehr Likes und mehr Follower.
Aber: Leute dir mir folgen, entfolgen mir nach teilweise 1 Stunde wieder. Oder nach einem Tag. Was ist denn da los? Tja. Das sind die zahlungspflichtigen Dienste bei denen man sich einkaufen kann. Die Dienste „liken“ die Fotos und versuchen durch stetiges „Folgen“ und „Entfolgen“ die Interaktion hoch zu halten. Für 10 Euro könnte ich mir also kostbare Zeit sparen und andere meine „Arbeit“ machen lassen, damit ich ein bekannter Fotograf auf dieser Plattform werde. Dabei spreche ich noch nicht mal von einem „Followerkauf“. Das ist zusätzlich ja auch noch möglich. Da gibt es auch verschiedenste Modelle: 1000 chinesische Follower kosten (hab keine Ahnung – reine Schätzung) dann 15 €, deutsche Follower kosten dann 30 €. So zeige ich den anderen: Hey schaut her – ganz viele Leute interessieren sich für mein Leben – es lohnt sich, das du das ebenfalls machst. Und sind wir ehrlich: Ein bisschen lassen wir uns doch schon drauf ein.

Bei einem reinen Followerkauf kann man die Ehrlichkeit noch an den Likes erkennen: Viele Follower und verhältnismäßig wenig Likes: Gekauft! Beobachtet das mal. Derzeit bin ich bei ca. 500 Followern. Wenn ich mir Mühe gebe, noch bessere Bilder schieße und evtl. auch noch mehr Zeit investiere, schaffe ich es vielleicht auf maximal 700 Leute. Ich glaube, da ist dann für den normalen und ehrlichen Instagramer die Fahnenstange erreicht. Instagramer, die bereits vor 5 Jahren angefangen haben, hatten sicher einen Vorteil und konnten auf ehrliche Weise mehrere tausend Leute erreichen. Aber heutzutage? Es geht nur noch mit bezahlten Diensten. Da bin ich mir sicher.
Will ich das? Eigentlich nicht. Die Versuchung ist da. Aber bisher habe ich davon noch nicht gebraucht gemacht – ich hoffe auch, das bleibt so.

Wenn ich mich über das System aufrege, könnte ich doch einfach meinen Account löschen! Ja. Das könnte ich. Aber da bin ich wieder bei meiner Hassliebe – irgendwie gefällt mir die Idee der Plattform ja schon. Also muss ich mit den Schattenseiten leben. Tu ich. Ich habe ja noch mein gutes reales Leben. Und da fühl ich mich mehr wie wohl.
(Wer Rechtschreibfehler findet, kann sie gerne behalten.)